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Jean Baudrillard: »Foucault vergessen«

Lektürenotizen[1]



Anläßlich des Erscheinens des dritten Bandes [Ende 2003] von Michel Foucaults Dits et Ecrits in deutscher Übersetzung möchte ich an dieser Stelle an eine Streitschrift Jean Baudrillards erinnern, die von der Foucault-Forschung nach wie vor übergangen wird.[2] Die Gründe hierfür mögen einerseits darin liegen, daß einige Argumente Baudrillards in der Foucault-Forschung durchaus als gängige Standpunkte bekannt (und von der späten Machtanalytik Foucaults teilweise selbst schon überholt) sind und der baudrillardschen Reformulierung nicht bedürfen, und andererseits in einer spezifischen Hermetik des Textes, die eine eindeutige Verortung seiner Kritikpunkte erschwert.

Die vorliegenden Überlegungen wollen daher nach einigen zusammenfassenden Bemerkungen bezüglich der Machtanalytik Foucaults Mitte der 1970er Jahre die wichtigsten Kritikpunkte Baudrillards rekapitulieren. Daran anschließend soll dessen Argumentationsstrategie näher in Augenschein genommen werden, die – so meine Kernthese – nicht auf der inhaltlich-argumentativen, sondern auf der Ebene der Textkomposition liegt, was eine Revision der üblichen ›Leserichtung‹ eines theoretischen Textes bedingt.


I.

Dem Erscheinen von Baudrillards Oublier Foucault gehen zwei Arbeiten Foucaults voran, in denen dieser ein strategisches Modell der Macht erarbeitet: Überwachen und Strafen (1975) sowie Der Wille zum Wissen (1976).[3] Die Erweiterung der diskursanalytischen Untersuchungen um die Perspektive der Macht, die Foucault bereits Ende der 60er Jahre in Aussicht gestellt hatte[4], fand ihren Niederschlag zunächst in einer rein negativen Konzeption der Macht als Ensemble von Mechanismen der Diskursbegrenzung.[5] Erst in den genannten Arbeiten gelangt Foucault zu einer im doppelten Wortsinn produktiven Machtanalytik.

In Überwachen und Strafen untersucht Foucault eine Reihe von Disziplinarmächten (Hospital, Militär, Schule, Fabrik, Gefängnis), die darauf abzielen, durch Fabrikation gelehriger Körper deren Nützlichkeit zu steigern und gleichzeitig ihre Widerstandspotentiale zu minimieren. In Der Wille zum Wissen wird diese ›Mikrophysik der Macht‹ weitergeführt hinsichtlich der Produktion von Diskursen über den Sex; mit der Plausibilisierung des Zwangs zur Diskursivierung des Sexes (»Sexualitätsdispositiv«[6]) widerspricht Foucault der Repressionshypothese des Sex, die im Anschluß an Wilhelm Reich die Gegenwartsdiskussion beherrsche. Die am Schluß von Der Wille zum Wissen in Aussicht gestellte Ergänzung der Disziplinarmacht um eine ›makrophysisch‹ operierende »Bio-Macht« erhärtet die Quintessenz der foucaultschen Arbeit, daß die Machtverhältnisse das gesamte Gesellschaftsfeld durchziehen – es gibt kein Außerhalb der Macht:

Allgegenwart der Macht: nicht weil sie das Privileg hat, unter ihren unerschütterlichen Einheit alles zu versammeln, sondern weil sie sich in jedem Augenblick und an jedem Punkt – oder vielmehr in jeder Beziehung zwischen Punkt und Punkt – erzeugt. Nicht weil sie alles umfaßt, sondern weil sie von überall kommt, ist die Macht überall.[7]

Erst auf der Grundlage dieser umfassenden »Produktivkraft« der Macht im sozialen Feld kann Foucault sie – im Gegensatz zu traditionell marxistisch orientierten Machtkonzeptionen, wie er sie versteht[8], und zurückgebunden an die Wissensdiskurse – als Positivfaktor werten:

In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Produktion.[9]


II.

Um die Kritikpunkte Jean Baudrillards an Foucaults Machtanalytik herauszuarbeiten, scheint es zunächst geraten, Baudrillards Theorie der Simulation in Erinnerung zu rufen.[10] In Der symbolische Tausch und der Tod analysiert Baudrillard drei Stufen der Simulation. Zuerst bildet sich in der Renaissance ein Simulationstyp heraus, der wesentlich auf Ähnlichkeit und Imitation beruht; Beispiele hierfür sind Zentralperspektive und Trompe-l’œil in der Renaissancemalerei. Die Simulation zweiter Ordnung des Kapitalismus im Zuge der Industrialisierung wird charakterisiert durch zwei Richtungen der Äquivalenz, die von Marx anhand des Wertbegriffs beschrieben und, nach Baudrillard, zugleich an ihre Grenze geführt werden. Marx unterscheidet zwischen Gebrauchswert und Tauschwert der Ware; analog nennt Saussure den Referenzwert einerseits und den Differenzwert andererseits, der dem Zeichen eignet. In der Simulation dritter Ordnung verlieren nun Kapital und Zeichen ihr Referential, so daß der Wert allein in einer zirkulären Selbstreferenz reduplizierter Zeichen verbleibt. In der Folge beschränkt sich die Produktion des Kapitals allein auf die Akkumulation, der jeder ›reale‹ Referenzwert abgeht.[11] Auch die Zeichenproduktion mündet in ihre zirkuläre Reduplikation. Eine der Konsequenzen dieser Entwicklung ist die Reversibilität von Sinn, denn nachdem dieser sich nicht mehr auf reale Referentiale stützen kann, ist zugleich alles wahr (oder auch nicht).[12]

In seiner Kritik an Foucault beruft sich Baudrillard nun implizit auf seine Simulationstheorie, indem er Foucault grundsätzlich vorwirft, trotz seiner minuziösen »Mikrophysik der Macht« und der Entlarvung zweck- und kausalorientierter Illusionen nicht die Macht selbst als Trugbild entlarvt zu haben. Vielmehr halte Foucault am Realitätsprinzip, an der »Minimaldefinition der Macht […] als reale Funktion« (OF, 13) fest. Diese Kritik fächert Baudrillard in mehrerlei Weise auf:

  1. Foucault inauguriere den Eindruck, eine Macht, die sich so präzise analysieren lasse, müsse damit bereits an ihrem Ende stehen. Er selbst verharre indes vor dieser Schwelle, »ohne dabei jemals über den Begriff/das Ende (le terme) der Macht hinauszukommen und ohne die Frage nach dem Erlöschen stellen zu können.« (OF, 14) Damit bleibe die Macht als strategische Struktur des sozialen Feldes bestehen: »Auch ohne Finalität und Jüngstes Gericht wird sie damit wieder zum Finalitätsprinzip schlechthin, zum Grenzbegriff.« (OF, 49)
  2. Zugleich bleibe Foucault diesseits einer möglichen Überschreitung der Machtkonzeption hin zur Simulation; der »positive Brechungsindex« seiner Analysen weise stets auf ein reales Kontinuum der Macht zurück, die sich jedoch, so Baudrillard, längst in ihre Hyperrealität verflüchtigt habe. Die Metasprache des Sexes, des Wunsches[13], der Macht verberge deren Rückzug aus dem Realen, indem sie durch Verdopplung ihrer Zeichen den »Schein von Realität […] am Horizont des Diskurses« aufleuchten lasse.[14]
  3. Die molekulare Analyse in Foucaults Arbeit rücke die Macht in die Nähe des DNS-Codes – Baudrillards Metapher für eine zirkuläre (Re-)Produktion von Zeichen und Prozessen, die sich in Ermangelung eines Referentials spiralförmig einander annähern und (potentiell) gegenseitig annihilieren[15] –, ohne daß dies wahrgenommen und/oder genutzt würde: »Die Analytik der Macht wird nicht zu Ende geführt, an jenes Ende, an dem sich die Macht selbst aufhebt, wo sie noch niemals war.« (OF, 46) Die Macht bleibe »ein Strukturbegriff, ein Gegensatzbegriff« (OF, 47), ohne daß sich die Pole in einer Bewegung der Reversibilität aufheben könnten.
  4. Mit der Analyse der Produktivität der Macht nähere sich Foucault trotz marxismuskritischer Haltung dem Simulationsdispositiv der Produktion, und er erliege dem »Mythos der Akkumulation« mit der Konsequenz, die Widerstandspunkte der Macht in seiner strategischen Konzeption weder legitimieren noch erklären zu können[16]: »Wäre jedoch die Macht diese sich ins Unendliche ausbreitende Magnetisierung des sozialen Feldes, dann würde sie schon lange nicht mehr auf Widerstand stoßen.« (OF, 52)

Baudrillards Strategie der Gegenargumentation kristallisiert nun in seinen Bemerkungen zur Anti-Repressionshypothese, die Foucault gegen Wilhelm Reich und die diesem nachfolgende Konzepte ins Feld führt. Die Analyse Foucaults bezüglich der Repressionshypothese, so Baudrillard, sei zwar richtig, doch die Produktion des Diskurses über den Sex weise analoge Effekte auf: »Der Unterschied zwischen Verdrängung und erzwungener Rede liegt nur in der Wortwahl.« (OF, 20.)[17] Baudrillard kehrt die Argumentation Foucaults gegen ihn, indem er die Verdrängung wiederum der Produktion des Diskurses unterlegt:

Nach unserer weiterreichenden Hypothese wäre also die Verdrängung niemals Verdrängung des Sexes zugunsten von irgend etwas anderem, sondern Verdrängung gerade durch den Sex: Einschränkung der Diskurse, der Körper, der Energien und der Institutionen durch den Sex und im Namen ›des Sexes, der spricht‹. Und der verdrängte Sex hat nur die Aufgabe, die Verdrängung durch den Sex zu verdecken. […] Was uns Foucault – eigentlich wider Willen – sagt, ist, daß nichts der Repression, sondern alles der Produktion dient, nichts auf Verdrängung, alles auf Befreiung hinarbeitet. Aber das ist ein und dasselbe. (OF, 24 und 32)

Es ist also Baudrillard zufolge wenig damit gewonnen, daß Foucault das Sexualitätsdispositiv ganz auf die Produktion abstellt. Das sexuelle Modell gerinnt zu einer »Erscheinungsform des Kapitals auf der Ebene des Körpers« (OF, 31)[18], was auf die oben genannten allgemeineren Kritikpunkte zurückweist. Baudrillard zufolge erklärt denn auch Foucaults Hypothese von der Verdrängung – die dieser keineswegs leugnet, aber für sekundär erklärt – als Umweg der Produktion des Sexes nicht die Bedeutung der Verdrängungseffekte:

Warum hat die imaginäre Verdrängung eine solche Bedeutung für das Gleichgewicht der Kräfte, wenn die Macht davon lebt, zum Sprechen zu bringen, Worte zu produzieren und abzunötigen? Viel einschlägiger wäre es doch, wenn die Rede als metastabiles System über die Repression triumphierte, die ja nur ein instabiles Machtsystem ist. (OF, 38f.)

Widerstand und Verdrängung: Das sind die beiden Effekte, die in Foucaults Analyse – wie auch andere Kritiker bemerkt haben[19] – unterbelichtet bleiben angesichts einer im sozialen Feld lückenlosen, akkumulativen und dem Modell der Produktion angeschlossenen Macht.


III.

Der polemische Tonfall Baudrillards ist spätestens hier nicht mehr zu überhören. Er greift, zumeist am prominenten Beispiel der Sexualität, Foucaults Analyse auf und wendet die Differenz Foucaults zu traditionellen Theoriepositionen in einer weiteren ›Spiralwindung‹ gegen ihn zurück, bis kein Ausweg mehr bleibt als der infinite Regreß oder das Lachen einer in die Paradoxie getriebenen Ironie, der das Konzept von Realität selbst verfällt:

Im übrigen hat das Reale noch nie jemanden interessiert. Es ist schlechthin der Ort der Enttäuschung, der Ort einer trügerischen Akkumulation, die den Tod besiegen will. Es gibt nichts Schlimmeres. (OF, 56)[20]

Wohin aber führt dies? Die Frage ist auf der Ebene der vorgestellten Argumentation einfach zu beantworten: zu gar nichts. Weder bietet Baudrillard ein operationalisierbares Gegenkonzept von Macht, noch löst er die bei Foucault beanstandeten Defizite auf. Einzig der Begriff der »Verführung«, der jedoch erst in späteren Arbeiten Baudrillards weiter ausgearbeitet wird – und sein Buch Von der Verführung wird sich zu Beginn noch einmal von Foucault abstoßen[21] –, steht der Obszönität einer omnipräsenten Produktion entgegen, die alles gewaltsam materialisieren und sichtbar machen will. (Vgl. OF, 25–27.)[22]

Um die eigentliche Stoßrichtung der in Rede stehenden Schrift Baudrillards offenzulegen, so die These meiner Bemerkungen, muß man die horizontale Leserichtung verlassen und in der vertikalen gleichsam die Form zum Inhalt nehmen. Baudrillard macht nichts anderes, als die im Rahmen seiner Simulationstheorie herausgestellte Reversibilität aller Standpunkte am Beispiel der Machtanalytik Foucaults zu exemplifizieren. Die Plausibilität seiner Polemik liegt, wenn man Baudrillard hierin folgen möchte, mithin nicht in der Argumentation, die er vorführt, sondern in deren Zirkularität selbst, in dem Umstand, daß sie in unentscheidbare Aporien führt, in denen alles wahr oder falsch sein kann – oder weder noch. Baudrillard dreht ein weiteres Mal an der Spirale der Simulation, um den Termini und Modellen um Sexualität, Macht und Begehren den Weg von ihrer Hyperrealität zurück zur »Realität« endgültig zu verstellen.

Baudrillards Anliegen scheint also keine Dekonstruktion der Machtanalytik Foucaults im speziellen ins Auge zu fassen, sondern diese dient vielmehr dazu, die in anderen Arbeiten Baudrillards zuvor ausgeführten theoretischen Überlegungen in ihrer konzeptionellen Tragweite darzustellen. In diesem Sinne läßt sich denn auch eine der Eingangsbemerkungen in Oublier Foucault auf Baudrillard selbst zurückbrechen:

Kurz, der Diskurs Foucaults ist ein Spiegel der Mächte, die er beschreibt. Eben darin liegt seine verführerische Kraft und nicht etwa in seinem ›Wahrheitswert‹. (OF, S. 10)


IV.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Streitschrift Baudrillards müßte nach alldem in größerem Rahmen vor dem Hintergrund seiner Arbeiten besonders zur Simulation geführt werden. Dabei scheint es – möchte man Baudrillard nicht leichthin als Theorie-Fiktion abqualifizieren[23] – unbedingt ratsam, »mit Baudrillards eigenem Intrumentarium an seine Texte heranzugehen und seinen Diskurs als Verführung aufzufassen«[24], denn vor dem Horizont traditioneller wissenschaftlicher Theoriebildung können Baudrillards Texte bestenfalls als problematisch gelten. Mein vorläufiger Vorschlag zur Güte lautet daher, Baudrillards Theoriedesign – jenseits von Meta- und Mikrophysik – als ›Pataphysik‹ zu begreifen, als »Wissenschaft imaginärer Lösungen«[25], die weniger durch eine geradlinige Architektur als vielmehr durch ihre Virulenz verführt.


Anmerkungen:

[1] Jean Baudrillard: Oublier Foucault. München [3]1983 [Orig. 1977]; im Text zitiert als »OF«.

[2] Selbst die bis heute wegweisende Arbeit Thomas Lemkes über Foucaults späte Machtanalytik läßt Baudrillards Schrift gänzlich außen vor; vgl. Thomas Lemke: Eine Kritik der politischen Vernunft. Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität. Berlin, Hamburg 1997.

[3] Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt/M. [12]1998; ders.: Sexualität und Wahrheit 1: Der Wille zum Wissen. Frankfurt/M. [11]1999.

[4] Vgl. Michel Foucault: Archäologie des Wissens. Frankfurt/M. [9]2000, bes. S. 175.

[5] Vgl. Michel Foucault: Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Collège de France, 2. Dezember 1970. Frankfurt/M. 1991.

[6] Foucault benutzt den Begriff »Dispositiv« bereits in Überwachen und Strafen. Vgl. zur Definition Foucault, Der Wille zum Wissen, S. 35 (Anm.); des weiteren vgl. Gilles Deleuze: Was ist ein Dispositiv? In: François Ewald, Bernhard Waldenfels (Hrsg.): Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken. Frankfurt/M. 1991, S. 153–162.

[7] Foucault, Der Wille zum Wissen, S. 114.

[8] Vgl. auch Gilles Deleuze: Ein neuer Kartograph. (Überwachen und Strafen). In: ders.: Foucault. Frankfurt/M. [3]1997, S. 37–67, hier bes. S. 39ff.

[9] Foucault, Überwachen und Strafen, S. 250.

[10] Baudrillard bezeichnet sich selbst gern als »Theoretiker« (auch wenn sein Theoriedesign mit dem wissenschaftlichen Geschäft traditioneller Prägung z. T. nur wenig gemein hat); vgl. Falko Blask: Baudrillard zur Einführung. Hamburg 1995, S. 13f.

[11] Vgl. Kap. I und II in Jean Baudrillard: Der symbolische Tausch und der Tod. München 1991 (Orig. 1976).

[12] Vgl. hierzu am Beispiel der Kommunisten und der politischen Macht Jean Baudrillard: Die Präzession der Simulakra. In: ders.: Agonie des Realen. Berlin 1978, S. 7–69; hier S. 31f. Im übrigen läßt sich an dieser Gedankenfigur der »Reversibilität« beispielhaft der ironische Zug von Baudrillards Theoriebildung ablesen; vgl. Harald Weinrich: Linguistik der Lüge. München [6]2000: »Wahrheit und Lüge bilden keinen Gegensatz in der Ironie« (ebd., S. 62).

[13] Vgl. Anm. [18].

[14] Vgl. OF, S. 14. In diese Richtung weisen auch Graffito und Kafka-Zitat auf S. 60, ebd.

[15] Vgl. Baudrillard, Die Präzession der Simulakra, S. 50f.

[16] Vgl. Anm. [19].

[17] Ob das Sexualitätsdispositiv allerdings bei Foucault nicht gerade unter Verzicht auf Zwang funktioniert, wäre zu diskutieren.

[18] Baudrillard setzt eben hier an, wenn er das Machtmodell Foucaults neben das Wunschmodell von Deleuze und Guattari stellt, die beide eine Metapher des Kapitals darstellen, hier auf der Ebene des Unbewußten, dort auf der Ebene des Körpers; vgl. auch Gilles Deleuze, Félix Guattari: Anti-Ödipus. Kapitalismus und Schizophrenie I. Frankfurt/M. [8]1997.

[19] Vgl. etwa Hinrich Fink-Eitel: Michel Foucault zur Einführung. Hamburg [3]1997, S. 78 sowie 93ff.; vgl. auch Lemke, Kritik der politischen Vernunft, S. 111ff. Erst Lemke arbeitet indes heraus, daß der Widerspruch zwischen Subjektivierungsprozessen (und den ihnen innewohnenden Widerstandspotentialen) durch die Macht einerseits und deren gleichzeitiger Omnipräsenz andererseits Foucault in den späten 70er Jahren weiterführt zur Konzeption der ›gouvernementalité‹; vgl. ebd., Teil 2.

[20] In Baudrillards Behandlung des Realitätsprinzips entdeckt man einmal mehr die Einflüsse des Surrealismus; vgl. in diesem Fall André Breton: Erstes Manifest des Surrealismus (1924). In: ders.: Die Manifeste des Surrealismus. Reinbek [9]1986, S. 11–43, hier bes. S. 12ff.

[21] Vgl. Jean Baudrillard: Von der Verführung. München 1992, S. 7f.

[22] In diesem Punkt freilich trifft sich Baudrillard wieder mit dem von Foucault im Abendland konstatierten »Geständniszwang«; vgl. auch Foucault, Der Wille zum Wissen, S. 77.

[23] Das soll nicht bedeuten, daß man ihn nicht mit Gewinn auf diese Weise lesen kann, zumal Baudrillard selbst gern mit diesem Begriff spielt als Gegensatz einer (realen) Theorie-Wahrheit; vgl. etwa Jean Baudrillard: Die oberflächlichen Abgründe. In: ders.: Laßt euch nicht verführen! Berlin 1983, S. 35–52.

[24] Blask, Baudrillard zur Einführung, S. 124.

[25] Vgl. die Definition in Alfred Jarry: Heldentaten und Lehren des Dr. Faustroll (Pataphysiker). Berlin 1968, S. 27. An exponierter Stelle wird dieser Begriff auch verwendet bei Jean Baudrillard: Pataphysik des Jahres 2000. In: ders.: Die Illusion des Endes. Berlin 1994, S. 9–22.


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