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Typografie-Hilfe (Neu bei ubud@da.de)

Wenn man im Verlagsbereich Bücher Korrektur liest, gilt es weitaus mehr zu beachten als die bloße Orthografie. Aber auch im akademischen Bereich anfallende Arbeiten und Aufsätze sollten gewissen typografischen Anforderungen genügen, um einen seriösen und professionellen Eindruck zu erwecken. Die folgenden Hinweise, die ich gemeinsam mit Kai Kilian zusammengetragen habe, speisen sich – wo sie nicht ohnehin dem Gehalt nach in Duden Nr. 1 und 9 zu finden sind – aus jahrelanger Korrekturtätigkeit für verschiedene Verlage und dürfen als entsprechend verlässlich gelten. Sie sollen als kleine Handreichung allen dienen, die sich aus dem einen oder anderen Grund mit Textkorrekturen beschäftigen. Da sich viele typografische Feinheiten mit HTML nicht reproduzieren lassen, sind den Hinweistexten Beispiele beigegeben, wo es sinnvoll erscheint. → Kritik, Anregungen und Ergänzungen sind herzlich willkommen!
 

Themen:
→ Auslassungspunkte
→ Bis-Strich
→ Durchschuss (nach Überschriften)
→ Festabstände
→ Fußnoten
→ Hurenkinder (und Schusterjungen)
→ Laufweite
→ Ligaturen
→ Mediävalziffern
→ Schriftgrad (bei Kursiva und Versalien)
→ Silbentrennung
→ Spationierung bei Abkürzungen
→ Unterschneidung
→ Zeilenhaltigkeit

 

 

Auslassungspunkte
Auslassungspunkte sind ein selbstständiges Zeichen, nicht drei aufeinanderfolgende Punkte. Bei ihrer Verwendung sollte Folgendes beachtet werden:
a) Auslassungspunkte kennzeichnen entweder Wort- oder Wortteilauslassungen. Im zweiten Fall sind sie kompress, also ohne Zwischenraum zu setzen.
b) Bei Auslassungen von ganzen Worten steht vor den Auslassungspunkten entweder ein Festabstand oder ein Spatium, nach den Auslassungspunkten stets ein Spatium. In jedem Fall ist auf Einheitlichkeit zu achten.
c) Auslassungspunkte am Zeilenanfang sollten unter allen Umständen vermieden werden.


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Bis-Strich
Der Bis-Strich ist typografisch betrachtet ein Halbgeviertstrich (Gedankenstrich), kein Bindestrich! Wenn er am Ende einer Zeile steht, wird er durch »bis« ersetzt, desgleichen bei Angaben in Verbindung mit der Präposition »von«. Bei ausgeschriebenen Zahlen wird kein Bis-Strich gesetzt.


  
  

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Durchschuss
Überschriften und nachfolgender Text sollten je nach Gliederungsstruktur durch jeweils einheitlich große Abstände getrennt sein. Dabei ist darauf zu achten, dass die → Zeilenhaltigkeit des Fließtextes gewahrt bleibt. Hierzu müssen Überschrift und nachfolgender Abstand zusammen ein Vielfaches der Fließtextzeichengröße plus Zeilenabstand betragen.
Beispiel: Ein Dokument ist in der Schriftgröße 12pt und 1,5-zeilig erstellt, wie bei akademischen Arbeiten üblich. Um die Zeilenhaltigkeit zu gewährleisten, wäre etwa eine Überschrift in der Größe 18pt denkbar mit einem nachfolgenden Abstand von ebenfalls 18pt (oder 14pt und 22pt etc.).

 

Festabstände
Nach Abkürzungen (wie etwa »Mrs Robinson«, »Dr. Schiwago«, »S. 125« etc.) empfiehlt sich ein Festabstand, um bei umbruchbedingten großen Wortabständen eng zusammengehörende Teile nicht auseinanderzureißen. (Zum Sonderfall mehrteiliger Abkürzungen siehe auch → Spationierung bei Abkürzungen.)

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Fußnote
Bezüglich der Gestaltung von Fußnoten sollte man auf Folgendes achten:
a) Fußnoten sind mit einem Punkt abzuschließen, auch wenn es sich nicht um einen vollständigen Satz handelt.
b) Bei akademischen Arbeiten sollte nach einem Seitenumbruch die erste Fußnote, sofern sie sich auf eine bereits vorzitierte Quelle bezieht, stets mit einer Kurzangabe erfolgen, nicht jedoch mit dem sonst üblichen »ebd.«.
c) Oberhalb des Fußnotenstrichs muss ein Abstand von mindestens einer Leerzeile eingehalten werden.

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Hurenkinder (und Schusterjungen)
Von einem »Hurenkind« spricht man, wenn die letzte Zeile eines mehrzeiligen Absatzes durch einen Seitenumbruch allein am Beginn einer Seite steht. Dies muss in jedem Fall korrigiert werden, wobei die gängigen Textverarbeitungsprogramme hierfür eine (automatische) Einstellung bieten.
Der »Schusterjunge« ist die am Schluss einer Seite allein stehende erste Zeile eines mehrzeiligen Absatzes. Obwohl ebenfalls unschön, wird er mittlerweile auch im Buchsatz geduldet, wenn er sich nicht problemlos austreiben lässt.

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Laufweite
Bei Überschriften, die zumeist in größerem Schriftgrad gesetzt und bisweilen auch ausgezeichnet (also etwa fett oder halbfett) sind, empfiehlt es sich, eine größere Laufweite zu wählen, um die Schrift lesbar zu halten. Meist reicht eine Erweiterung der Laufweite um 0,6pt bis 1,2pt bei gängigen Überschriftengrößen. Im Beispiel ist die erste Zeile normal, die zweite mit leicht erhöhter Laufweite gesetzt:

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Ligaturen
Echte Ligaturen, wie sie im Bleisatz üblich waren, werden inzwischen kaum noch verwendet. Was heute wie eine Ligatur aussieht, ist in den meisten Fällen eine → Unterschneidung. Bei der Verwendung echter Ligaturen ist zu beachten, dass sie nur innerhalb einer Silbe vorkommen dürfen, also etwa »ff« in »Schiff«, nicht aber in »Schiffer«:

  

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Mediävalziffern
Im Gegensatz zu Versal-/Tabellenziffern (Beispiel rechts) besitzen Mediävalziffern (Beispiel links) Ober- und Unterlängen und fügen sich demnach insbesondere bei gehäuftem Vorkommen harmonischer ins Schriftbild. Es ist zu beachten, die beiden Zifferntypen nicht zu mischen. Hat man sich im Fließtext für Mediävalziffern entschieden, sind sie auch für die Paginierung (Seitennummerierung) zu verwenden. Davon unabhängig werden, wie der Name besagt, wegen besserer Übersichtlichkeit in Tabellen stets Versal- bzw. Tabellenziffern gesetzt.

  

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Schriftgrad (bei Kursiva und Versalien)
Bei der Verwendung von Kursivierungen (je nach Schriftart) oder Versalien sollte der Schriftgrad angepasst werden. Im ersten Fall empfiehlt sich eine leichte Vergrößerung, im zweiten eine leichte Verkleinerung des Schriftgrades, um die entsprechenden Textteile optisch harmonischer einzubinden.

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Silbentrennung
Es ist ausgesprochen unschön, wenn mehr als vier Zeilen in Folge mit einem trennungsbedingten Bindestrich enden. (Aus optischen Gründen sollten auch eventuelle Gedankenstriche mitgezählt werden.) Dies sollte man demnach vermeiden.

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Spationierung (bei Abkürzungen)
Zwischen den Bestandteilen von mehrgliedrigen Abkürzungen (etwa »z. B.«, »m. E.«) steht eigentlich ein Festabstand (meist ein halbes Spatium; Beispiel erste Zeile). In jedem Fall jedoch muss ein Leerraum vorhanden sein, der im Bedarfsfall auch mit einem ganzen Spatium hergestellt werden kann (Beispiel zweite Zeile).


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Unterschneidung
Eine Unterschneidung ist ein ungewolltes (optisches) Zusammenlaufen von aufeinanderfolgenden Buchstaben und Satzzeichen, zum Beispiel bei Schluss-F und Fragezeichen (Beispiel links). Es empfiehlt sich, solche Unterschneidungen durch das Einfügen etwa eines Viertelspatiums auszugleichen (Beispiel rechts).

  

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Zeilenhaltigkeit
Beim Buchsatz muss die Zeilenhaltigkeit überall dort gewährleistet sein, wo verschiedene Schriftgrade zum Einsatz kommen. Unterschiede müssen durch verschiedene Durchschüsse ausgeglichen werden (siehe auch → Durchschuss [bei Überschriften]).
In der Praxis akademischer Arbeiten spielt die Zeilenhaltigkeit indes eine bisweilen untergeordnete Rolle, nicht zuletzt weil gängige Textverarbeitungsprogramme im Gegensatz zu aufwändigeren Satzprogrammen hier wenig Hilfestellung bieten.

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